Iwan Assen II. prägte als Erster bulgarische Münzen – mit kyrillischen Inschriften
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Nach der Gründung des bulgarischen Staates im Jahr 681 lief der Geldverkehr weiterhin überwiegend mit byzantinischen Münzen. Es gibt zwar eine Reihe von Berichten über Münzen, die bulgarischen Herrschern bis zum 13. Jahrhundert zugeschrieben werden, doch für ihre Echtheit fehlen eindeutige Beweise. Deshalb überwiegt die Auffassung, dass die ersten von einem bulgarischen Zaren geprägten Münzen aus den dreißiger Jahren des 13. Jahrhunderts stammen, und zwar aus dem Jahr 1230 von Zar Iwan Assen II. (1218–1241). Die Goldmünze (Hyperpyron, auch Perpera und Slatiza genannt) wurde zu Ehren des Sieges bei Klokotniza über den Despoten von Epirus, Theodor Komnenos Dukas, geprägt, der sich zum Kaiser des Thessalonischen Reiches ausgerufen hatte. Sie zeigt den stehenden Zaren Iwan Assen II. zusammen mit dem heiligen Demetrios, der ihn krönt. Sie wiegt 4,33 g, ihr Goldgehalt beträgt 18 Karat. Auf der Vorderseite der schüsselförmigen Kupfermünzen sind Zar Iwan Assen II. mit einem kurzstieligen Zepter und der heilige Demetrios abgebildet, zwischen ihnen ein Stab, auf der Rückseite Jesus Christus.
Für die Inschriften der Münzen von Zar Iwan Assen II. wurde das slawobulgarische Alphabet verwendet – die Kyrilliza. Die Münzen gingen in den Geldverkehr des damaligen Bulgarien ein, der vor allem von den Münzen Byzanz’ bestimmt war, die im frühen Mittelalter im östlichen Mittelmeerraum die Rolle eines internationalen Zahlungsmittels spielten. Zur Zeit des Zweiten Bulgarischen Reiches (1185–1396) wurde der Geldverkehr im Land – obwohl zahlreiche Münzemissionen verschiedener bulgarischer Herrscher geprägt wurden – überwiegend mit byzantinischen Münzen abgewickelt, und zwar bis zum Beginn der dreißiger Jahre des 14. Jahrhunderts. Erst unter der Herrschaft von Zar Iwan Alexander (1331–1371) überwogen im Geldverkehr die bulgarischen Münzen. Vor seiner Regierungszeit reichten die von den bulgarischen Zaren geprägten Münzen nicht aus, um den Bedarf des Geldverkehrs zu decken.
Während es nahezu sicher ist, dass Zar Iwan Assen II. seine Münzen in der Münzstätte von Thessaloniki prägen ließ, organisierte Zar Konstantin Tich die Prägung schüsselförmiger Kupfermünzen in der bulgarischen Hauptstadt Tarnowo. Sie dienten vor allem dem inneren Waren- und Geldaustausch. Verbreitet waren sie auch in den neu angegliederten bulgarischen Gebieten in Makedonien, was bei der dortigen Bevölkerung auch psychologische und politische Wirkung hatte – sie benutzte nun Münzen mit kyrillischer Inschrift.
In der Numismatik gilt als zweiter bulgarischer Zar, der Münzen prägte, Zar Mizo Assen (1256–1257), der nur kurz auf dem bulgarischen Thron saß. Seine Münzen entstanden zwischen 1257 und 1261, als Mizo (Mitscho) bereits von Zar Konstantin Assen entthront war, aber noch hoffte, auf den Thron in Tarnowo zurückzukehren. Das Hauptziel dieser Emission war propagandistisch: Als Thronprätendent musste er den anderen Herrschern und der Bevölkerung seine Rechte – genauer: seine Ansprüche – auf den Thron zeigen.
Despot Jakob Swetoslaw prägte schüsselförmige Kupfermünzen in der Münzstätte von Widin. Obwohl sie ähnliche Merkmale wie die der bulgarischen Zaren in Tarnowo aufweisen, unterscheiden sie sich durch das Fehlen der zarischen Insignien im Bild des Despoten Jakob Swetoslaw auf der Rückseite und durch das Bildnis des heiligen Demetrios – des Schutzpatrons der bulgarischen Zarendynastie – auf der Vorderseite. In seinen letzten Lebensjahren begann dieser bulgarische Bojar, Anspruch auf den Zarenthron zu erheben.
Zar Konstantin Tich Assen (1257–1277) prägte in der Münzstätte von Tarnowo sechs Typen schüsselförmiger Kupfermünzen.
Die massenhafte Münzprägung in der bulgarischen Hauptstadt hatte wirtschaftliche Gründe: Es fehlte an byzantinischen Münzen. Konstantinopel wurde 1261 von der lateinischen Herrschaft befreit, und das Kaiserreich Nikaia war nicht in der Lage, genügend Münzen auszugeben, um den Geldverkehr der Nachbarländer zu versorgen.
Zar Georgi I. Terter (1280–1292) prägte Kupfer- und Silbermünzen. Archäologen fanden fünf Paar Vorderseiten- und einen Rückseitenstempel, mit denen vermutlich 150 000 bis 200 000 Exemplare geprägt wurden. Die Kupfermünzen zeigen Zar Georgi I. Terter mit seinem Sohn, Zar Todor Swetoslaw, die gemeinsam ein kurzstieliges Kreuz halten, auf der Rückseite Jesus Christus.
Sein Sohn, Zar Todor (Theodor) Swetoslaw Terter (1301–1321), prägte ebenfalls Silber- und Kupfermünzen mit seinem Bildnis. Unter ihm nahm die Münzstätte in Tarnowo ihre Tätigkeit wieder auf.
Eine Art Silbermünzen und vier Arten Kupfermünzen wurden unter Zar Michail III. Assen (Schischman) (1323–1330) geprägt. Er wurde nach dem Tod des jungen Georgi Terter II. zum Zaren gewählt und war zuvor Statthalter des Gebiets von Widin. Seine Münzen wurden vermutlich in der Münzstätte der Hauptstadt Tarnowo geprägt und ähneln in Merkmalen und Bildern denen von Zar Todor Swetoslaw. Spätere Münzfunde dieses bulgarischen Zaren aus Westbulgarien zeigen einen gewissen serbischen Einfluss, der auf seine Verwandtschaft mit König Stefan Uroš II. Milutin (1275–1321) zurückging: Er war mit dessen Tochter Anna-Neda verheiratet.
Aus der Regierungszeit von Zar Iwan Alexander sind insgesamt 14 Typen von Kupfermünzen bekannt, einige davon in mehr als einer Variante.
Wie erwähnt, lief der Geldverkehr in Bulgarien erst unter Zar Iwan Alexander fast vollständig mit bulgarischen Zahlungsmitteln ab, das heißt, es waren genügend bulgarische Münzen im Umlauf, um die Zahlungen im Land abzuwickeln. Das zeigt, dass die Waren-Geld-Beziehungen im bulgarischen Zarenreich jener Zeit zu den am weitesten entwickelten in Europa gehörten. Unter Zar Iwan Alexander (1331–1371) wurde ein Teil der Steuern an die Staatskasse in Geld und nicht mehr wie bis dahin in Naturalien entrichtet.
Silber- und Kupfermünzen gab Zar Iwan Srazimir (1355–1397) im Zarentum Widin aus. Es hatte seine Hauptstadt in Badin (Widin) und war praktisch ein eigenständiger Staat. In Widin, das etwa 40 Jahre lang Hauptstadt eines eigenen bulgarischen Staates – des sogenannten Zarentums Widin – war, gab es eine Münzstätte. Später, im 16. und 17. Jahrhundert, wurde die Münzstätte von Widin von den Türken wiederhergestellt und prägte eine Reihe von Emissionen für das Osmanische Reich. Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts begann der Statthalter von Widin, Osman Pasvantoğlu, der sich etwa 30 Jahre lang als vom türkischen Sultan unabhängiger Herrscher mit Hauptstadt Widin ausrief, eigene Kupfermünzen auszugeben. Diese Münzen hießen „Pasvantschetas“ und wurden im ganzen Osmanischen Reich verwendet, besonders beliebt waren sie aber in den bulgarischen Gebieten.
Eine Kupfermünze von Zar Iwan Schischman (1371–1393) mit dem Bild eines Löwen.
Kupfermünzen gab in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts auch der Feudalherr Nordostbulgariens, Despot Dobrotiza, aus. In den letzten 30 Jahren des 14. Jahrhunderts war Bulgarien praktisch in drei Kleinstaaten geteilt (das Zarentum Widin, das Zarentum Tarnowo und das Despotat Dobrudscha). Dort diente die Münzprägung nicht nur dem Bedarf des Geldverkehrs, sondern auch als eine Art Propagandamittel der Herrscher gegenüber ihren Untertanen.
Der andere Herrscher des Despotats Dobrudscha ist Ioan Terter. Es gibt keine sicheren Belege dafür, ob Despot Dobrotiza zwei Söhne, Terter und Iwanko, hatte oder ob es sich um ein und dieselbe Person handelt. Aus seiner Regierungszeit ist ein einziges Exemplar einer Silbermünze erhalten sowie zwei Typen von Kupfermünzen.
Münzprägung und Geldverkehr waren zur Zeit des Zweiten Bulgarischen Reiches für ihre Zeit vergleichsweise gut entwickelt. Das bestätigt die Tatsache, dass im 15. und sogar in den ersten Jahren des 16. Jahrhunderts in den von den Türken eroberten und ins Osmanische Reich eingegliederten bulgarischen Gebieten der Geldverkehr überwiegend mit Münzen bulgarischer Zaren und Feudalherren abgewickelt wurde.
Aus dem Bulgarischen übersetzt von der Redaktion von BulgarianCoins.


