Unlautere Praktiken auf dem bulgarischen Markt für physisches Anlagegold und -silber
Oder: vor welchen Fallen Sie sich hüten sollten, wenn Sie Ihre Zukunft jemandem anvertrauen
Tavex 9 Min. Lesezeit
In den letzten rund zehn Jahren haben sich Anlagegold und -silber als eine der gewinnbringendsten, liquidesten und risikoärmsten Geldanlagen auf den Weltmärkten erwiesen. In Bulgarien gewinnen diese beiden Edelmetalle als Teil des Anlageportfolios erst seit einigen Jahren (seit Beginn der Finanzkrise) an Beliebtheit. Ganz folgerichtig führt das Wachstum eines Marktes dazu, dass zahlreiche neue Firmen, Organisationen und Institutionen auftauchen, die im Angebot dieser beiden Anlageprodukte miteinander konkurrieren. Wettbewerb ist ein ganz natürlicher Marktmechanismus, der den Endkunden zugutekommt: klarere, transparentere und zugänglichere Preise, freundlicherer Service, korrektere und professionellere Beratung. Leider entstehen jedoch, wenn ein Markt relativ neu und der Bevölkerung wenig bekannt ist, schnell unlautere Praktiken, die Kunden absichtlich oder unabsichtlich täuschen oder falsch informieren und sie so benachteiligen. Gerade das Aufkommen dieser Praktiken ist der Anlass für diesen Artikel. Wir hoffen, dass er die am häufigsten verwendeten Verkaufstricks offenlegt und potenziellen Anlegern hilft, eine möglichst informierte Entscheidung über die Zukunft ihrer Ersparnisse zu treffen.
-
„Unsere Preise für Anlagegold sind höher, weil wir ein Echtheitszertifikat ausstellen.“ Das ist eine der häufigsten Täuschungen auf dem Markt für Anlagegold. Echtheitszertifikate für Gold- und Silberprodukte stellt der Hersteller selbst aus (Scheideanstalt oder Münzstätte), nicht der Händler. Während die meisten Goldbarren eine eigene Seriennummer haben und in einer vakuumierten Verpackung geliefert werden, auf der Hersteller, Feingehalt und der Name des technischen Sachverständigen angegeben sind, der die Richtigkeit der Angaben bestätigt, ist das bei Goldmünzen anders. Viele Münzen werden ohne Echtheitszertifikat geliefert, weil der Hersteller keines anbietet. Die Garantie für die Echtheit sind die Qualität und Komplexität der Prägung selbst sowie die Tatsache, dass sie in ihren Herkunftsländern gesetzliches Zahlungsmittel sind. International hat sich im Laufe der Zeit ein Standard für den Handel mit Anlagegoldmünzen durchgesetzt, bei dem Echtheitszertifikate nicht nötig sind und von den Herstellern nicht angeboten werden. In der Regel kommen nur verkapselte oder Sammlermünzen mit einem solchen Zertifikat (siehe das Foto – Canadian Maple Leaf 99999). Alle Zertifikate, die nicht von einer Scheideanstalt oder Münzstätte ausgestellt sind, sind im Großen und Ganzen wertlose Zettel und eher eine Spekulation des Verkäufers. Denken Sie darüber nach: Wenn es so leicht ist, eine Münze zu fälschen – wie viel weniger Aufwand erfordert dann ein solches Zertifikat, und welchen Wert hätte es? Anders gesagt: Wenn die Münze Österreich für die „Wiener Philharmoniker“ kein Zertifikat ausstellt, wozu braucht es dann eines vom Händler, was genau garantiert es, und wie kann ein unnötiger Zettel das Anlageprodukt verteuern?
-
„Das Gold, das wir verkaufen, ist teurer, weil die Münzen brandneu sind und direkt aus der Münzstätte kommen.“ Diese Praxis ist den Kunden gegenüber sehr unfair, weil sie unnötige Angst schürt. Ihr Ziel ist, dass Sie für dasselbe Produkt einen vielfach höheren Preis bezahlen. Anlagemünzen haben bestimmte Eigenschaften, auf deren Grundlage die Händler sie unbedingt zurückkaufen müssen. Wenn die Kunden sie richtig aufbewahrt haben, sind die Münzen ohnehin wie neu – auch wenn sie vorher einem anderen Kunden gehörten. Sie verstehen selbst: Wenn alle Münzen eines Händlers direkt aus der Münzstätte kommen, kauft dieser sie nicht zurück, oder zumindest nicht als Anlageprodukt, sondern billiger als Materialgold. Solche Händler kennen in der Regel die besonderen Aufbewahrungsbedingungen der Anlageprodukte nicht und erklären ihren Kunden nicht, wie jedes Produkt aufzubewahren ist. Ein typisches Beispiel: Manche Händler verkaufen die Münze „Chinesischer Panda“ in Kapseln, obwohl sie in der originalen Silikonverpackung aufbewahrt werden muss, in der sie aus der Münzstätte kommt – das Einlegen in eine Kapsel zerstört ihren Anlagewert (siehe das Foto – Silikonverpackung des „Chinesischen Pandas“). Zweitens ist diese Praxis noch in anderer Hinsicht irreführend: Wenn ein Händler Ihnen sagt, seine Produkte seien brandneu, deutet er ganz klar an, dass dieselben Produkte bei der Konkurrenz alt und für eine Anlage ungeeignet seien – eine reine Täuschung. Die Wahrheit ist eine ganz andere: Jeder renommierte Händler von Anlagegold unterhält Geschäftsbeziehungen zu Münzstätten und Scheideanstalten, von denen er brandneue Produkte bezieht. Er verkauft also sowohl brandneue Anlageprodukte als auch solche, die er von Kunden zurückgekauft hat und die die strengen Anforderungen an Aufbewahrung und Rückkauf erfüllen. Einfacher gesagt: Jede Behauptung eines Händlers, „unsere Münzen sind teurer, weil sie brandneu sind“, ist erstens ein Versuch, die Konkurrenz schlechtzumachen und den Kunden davon abzuhalten, bessere Bedingungen zu suchen, und zweitens ein sehr platter und völlig falscher Grund für einen höheren Preis.
-
„Treffen wir uns in einem Café oder Restaurant.“ Anlagegold und -silber sind Finanzwerte, und der professionelle Handel damit erfordert die entsprechenden Mittel. Wenn man Ihnen ein Treffen außerhalb der Geschäftsräume vorschlägt, weil es keine gibt, erwarten Sie nichts Gutes. Entweder handelt es sich um glatten Betrug, oder man versucht, Ihnen ein illiquides Produkt zu verkaufen, das später nicht zu einem fairen Preis zurückgekauft wird, oder beschädigte Produkte, deren Rückkaufpreis weit niedriger ist.
-
„Keine Sorge, dass wir nur einen Verkaufspreis haben – Sie verkaufen erst in vielen Jahren, da spielt es keine Rolle, dass wir keinen Ankaufspreis haben.“ Das ist eine Täuschung kleineren Ausmaßes, aber dennoch eine Täuschung. Die Idee ist einfach: Der Verkäufer weiß, dass eine Anlage manchmal viel früher aufgelöst werden muss als geplant, und er weiß, dass Sie sich zuerst an denjenigen wenden, der Ihnen das Produkt verkauft hat. Dann merken Sie, dass Ihr Produkt nicht liquide ist, weil kein Händler auf dem Markt einen aktuellen Marktpreis dafür hat. Am Ende bietet derselbe Händler an, es zu einem Preis unter dem Börsenkurs zu kaufen (also als Materialgold, nicht als Anlageprodukt, das nahe am Börsenkurs und meist darüber angekauft wird). Solchen Fehlern erliegen oft Menschen, die etwas besonders billig kaufen wollen und nicht bedenken, dass sie es eines Tages verkaufen müssen – und sich so selbst in eine Verlustsituation bringen.
-
„Das Produkt, das wir Ihnen verkaufen, ist überall auf der Welt vollkommen liquide“ (aber der Verkäufer hat keinen aktuellen, stündlich angepassten Ankaufspreis). Das ist eine Täuschung großen Ausmaßes, die besonders bei größeren Anlegern zu erheblichen Verlusten führt. Das Produkt mag tatsächlich weltweit liquide sein, aber wenn niemand da ist, der es jederzeit zu einem fairen Marktpreis ankauft, wird es automatisch unterbewertet und schwer zu verkaufen. Lassen Sie sich nicht dazu verleiten, Produkte bei Institutionen zu kaufen, die sie nicht jederzeit zurückkaufen können.
-
„Wir haben einen einheitlichen Ankaufspreis pro Gramm für alle Anlageprodukte.“ Bei diesem Trick sieht die Lage tatsächlich so aus: Sie erhalten den niedrigeren Preis für Materialgold und -silber, nicht den für ein Anlageprodukt. Das ist ein weiterer Weg, Ihnen Ihre Produkte billig abzukaufen, wenn Sie sich nicht genug dafür interessiert haben, zu welchem Preis Sie verkaufen. In Wirklichkeit haben alle Anlageprodukte unterschiedliche Ankaufspreise, die sich nach Angebot und Nachfrage auf den internationalen Märkten richten – ein Einheitspreis ist nicht möglich. Natürlich sollten Sie bedenken, dass kein Händler aktuelle An- und Verkaufspreise für absolut alle existierenden Gold- und Silberprodukte hat. Die goldenen 100 000 Yen mögen in Japan eine sehr beliebte und liquide Münze sein, in Europa haben sie aber nicht denselben Status, und kaum ein Händler hat genau für dieses Produkt aktuelle An- und Verkaufspreise.
-
„Ja, wir liefern Ihnen 1 kg Goldbarren, brauchen aber 100 % Anzahlung und einen Monat Lieferzeit.“ Das ist kein logistisches Problem der Lieferung, sondern eher ein Signal für mögliche Probleme beim Rückkauf. Offensichtlich verfügt die Firma weder über die Mittel noch über Bestände. Sollten Sie dieses Kilogramm eines Tages verkaufen wollen, hat sie buchstäblich nicht das Geld, um es zurückzukaufen – und Sie verpassen den Moment, in dem Sie verkaufen wollten. Die andere Möglichkeit ist, dass man es Ihnen sehr billig abkauft, was wiederum eine Art Täuschung ist. Üblich ist bei Geschäften unter 2 kg eine Anzahlung von höchstens 10 % und im schlimmsten Fall zwei Wochen Lieferzeit. Bei Geschäften über 2 kg Anlagegold ist eine Vorauszahlung von 100 % normal.
-
„Investieren Sie in Numismatik.“ Diese Täuschung nutzt aus, dass der potenzielle Kunde das Konzept der Goldanlage nicht kennt. Der Handel mit Produkten von numismatischem Wert erfordert sehr spezielles Wissen. Der Markt für solche Produkte ist ganz anders und hängt weniger vom Börsenkurs des Goldes ab als vom Alter der Münze, ihrer Seltenheit und der Qualität der Prägung. Wir empfehlen keine Anlage in Produkte mit numismatischem Wert, es sei denn, Sie sind Fachmann auf diesem Gebiet. Numismatik ist Leidenschaft, großes Wissen und Emotion. Sie dient nicht der Geldanlage, sondern dem Vergnügen. Die Aufschläge sind hoch, die Liquidität gering und die Gefahr, getäuscht zu werden, groß.
-
„Investieren Sie in Schmuck.“ Fallen Sie nicht auf diese Täuschung herein. Ein Gold- oder Silberprodukt kann dann als Geldanlage gelten, wenn sein An- und Verkaufspreis möglichst nahe am Börsenkurs der darin enthaltenen reinen Edelmetallmenge liegt. Schmuck kann keine Geldanlage sein, denn beim Kauf bezahlt der Kunde neben dem Preis des verarbeiteten Goldes oder Silbers auch die Arbeit des Juweliers (grob geschätzt 25 % bis 100 % des Materialwerts) und die Mehrwertsteuer auf die gesamte Bemessungsgrundlage. Beim Rückverkauf erhalten Sie nur den Preis für Altgold je nach Karat des Schmuckstücks. Das andere große Risiko besteht darin, Schmuck mit einem anderen als dem bestellten Feingehalt zu bekommen. Eine solche Benachteiligung beim Karatgehalt ist auf dem Schmuckmarkt keineswegs untypisch und in unseren Breiten häufig (ein typisches Beispiel ist das sogenannte „griechische“ Gold, das als 585er oder 14 Karat gestempelt ist, tatsächlich aber einen deutlich geringeren Feingehalt hat).
-
„Wir handeln eigentlich nicht mit Anlagegold und -silber, verkaufen Ihnen aber Anlageprodukte.“ Kaufen Sie kein Anlagegold bei Leuten, deren Tätigkeit eine andere ist, auch wenn sie ähnlich ist. Dass ein Händler mit Gold in der einen oder anderen Form zu tun hat, macht ihn noch nicht zum geeigneten Partner für Anlagegold. Die Gefahr, dass er Sie – selbst unbewusst, aus Unwissen – in die Irre führt, ist groß.
-
„Online einkaufen.“ Seien Sie beim Online-Kauf äußerst vorsichtig. Vertrauen Sie nur international anerkannten Händlern von Anlagegold und -silber, und zwar solchen in Bulgarien, damit Sie keine Produkte in einem Zustand erhalten, den Sie später nur schwer verkaufen können.
-
„Ankaufspreis nach Vereinbarung.“ Das ist einer der häufigsten Markttricks. Überlegen Sie, warum der Verkaufspreis dieses Händlers fest ist und der Ankaufspreis „nach Vereinbarung“. In Wirklichkeit will er Ihnen Ihre Produkte zu einem unfairen Preis abkaufen, oder er fürchtet, seinen Preis nicht halten zu können, wenn ihm jemand eine größere Menge Anlageprodukte verkaufen will. Seien Sie bei solchen Händlern vorsichtig.
-
„Firmen von Einzelunternehmern.“ In letzter Zeit sind zahlreiche Firmen mit einem oder zwei Mitarbeitern aufgetaucht, die es mit all den oben genannten spekulativen und unlauteren Praktiken versuchen. Bedenken Sie, dass der Handel mit Anlagegold und -silber einen Apparat aus verschiedenen Fachleuten erfordert, um marktgerecht zu funktionieren: professionelle Logistiker, Händler, Marktanalysten, Finanzexperten, Statistiker und nicht zuletzt einen professionellen und freundlichen Service vor Ort an jedem Standort. Verfügt eine Firma oder Institution nicht über einen solchen Apparat, kann sie die Methodik des Handels mit Anlagegold und -silber nicht einmal kennen.
-
„Versprechen schneller Gewinne und kurzfristige Prognosen.“ Oft erkennen Sie die Täuschung schon im Gespräch mit dem Händler. Versprechen, dass Sie schnell verdienen, kurzfristige Prognosen für einige Monate und Ähnliches sind Verkaufstricks, die Ihre Aufmerksamkeit von den Unstimmigkeiten des bevorstehenden Geschäfts ablenken sollen. Vergessen Sie nicht: Der Kauf von Anlagegold und -silber dient dazu, die Kaufkraft Ihres Geldes zu erhalten, nicht dazu, schnell zu verdienen. Anders gesagt: Eine Anlage in physisches Gold und Silber ist eine langfristige Anlage und keine kurzfristige Spekulation.
„Anlagesilber ohne Mehrwertsteuer.“ Machen Sie diesen Fehler niemals. Die Gefahr, in eine Situation zu geraten, die Sie nicht wollen, ist enorm. Halten Sie sich an die Gesetze, auch wenn sie Ihnen manchmal nicht ganz angemessen erscheinen.
Aus dem Bulgarischen übersetzt von der Redaktion von BulgarianCoins. Stand 2013.


